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Start-up-Land Sachsen: Entwicklung an Sachsens Universitäten und Hochschulen stabil

Noch nie gab es bundesweit so wenige Existenzgründer. An Sachsens Universitäten und Hochschulen ist die Lust bei Studenten und Absolventen aufs eigene Unternehmen jedoch ungebrochen.

Während es deutschlandweit immer weniger Gründer gibt, ist die Entwicklung an Sachsens Universitäten und Hochschulen stabil. Das hat eine dpa-Umfrage ergeben. Allein die vier Uni-Standorte Leipzig, Dresden, Chemnitz und Freiberg brachten 2016 mehr als 70 Start-ups hervor. Spitzenreiter ist die Universität Leipzig – mit zuletzt 35 Unternehmensgründungen aus der Wissenschaft. Die Zahl liegt einem Sprecher zufolge in den vergangenen Jahren konstant bei rund 30. Bei der Anzahl der Gründungen je 100 Studierende liege die Leipziger Uni auf Augenhöhe mit der TU München. Zum Vergleich: Bundesweit zählte der „Gründungsradar 2016“ im Schnitt etwas mehr als 13 Unternehmensstarts pro Hochschule.

Bei der Untersuchung im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums hat eine weitere Leipziger Einrichtung – in der Kategorie der kleinen Hochschulen – die Nase zum dritten Mal in Folge ganz vorn: Die HHL Leipzig Graduate School of Management mit ihren nur etwa 650 Studierenden kommt seit der Jahrtausendwende auf mehr als 165 Start-ups und gilt daher als Gründerschmiede.

An der TU Dresden mit knapp 36 000 Studenten liegt die Zahl der Ausgründungen seit langem stabil bei etwa 20 im Jahr. Zuletzt waren es 17 Start-ups, von denen etwa die Hälfte Forschungsergebnisse in konkrete Produkte und Dienstleistungen umsetzte, sagt Frank Pankotsch. Er ist Geschäftsführer von „dresden exists“, einem Start-up-Service, den die TU gemeinsam mit anderen Dresdner Wissenschaftseinrichtungen seit 1999 auf die Beine stellt. Ähnlich der Gründerinitiative „Smile“ an der Leipziger Uni können sich gründungswillige Dresdner Studenten, Absolventen und TU-Mitarbeiter beraten lassen, wie sie aus der ersten Geschäftsidee ein erfolgreiches Unternehmen machen. Neben zahlreichen Seminaren und Workshops, Zugang zu Experten und Investoren gibt es einen eigenen Lehrstuhl für Entrepreneurship und Innovation.

Eine Stiftungsprofessur für Unternehmer ist auch ein wichtiges Puzzleteil bei der TU Chemnitz, der besten Gründeruniversität des Freistaats. Im Vergleich des „Gründungsradars“, bei dem viele Faktoren wie etwa die Qualität der Betreuung in die Beurteilung einflossen, erzielten die Chemnitzer einem Sprecher zufolge sachsenweit die höchste Gesamtpunktzahl und landeten im bundesweiten Vergleich der mittelgroßen Hochschulen auf Platz fünf.

Zuletzt zählte die TU Chemnitz zwölf Unternehmensgründungen und damit in etwa so viele wie in den Vorjahren. In Zusammenarbeit mit dem Gründernetzwerk „SAXEED“, das neben Chemnitz an den Hochschulstandorten Freiberg, Mittweida und Zwickau aktiv ist, wurden seit 2006 allein in der drittgrößten Stadt Sachsens mehr als 500 Gründungsprojekte betreut. „Insgesamt wurden in Chemnitz über 140 Gründungen mit insgesamt mehr als 400 Arbeitsplätzen generiert“, sagt SAXEED-Geschäftsführer Markus Braun. An allen vier Standorten waren es demnach bisher mehr als 280 Start-ups. Die Chemnitzer Ideen reichen von Fahrradspeichen aus Hightech-Fasern bis hin zu einer Software, die die Zukunft des autonomen Fahrens vorantreiben soll und dafür zuletzt den IQ Innovationspreis für Mitteldeutschland holte. Die TU Freiberg zählte 2016 neun Gründungen, darunter ein Unternehmen für marine Biotechnologie, das Schwämme unter anderem zur Behandlung von Krebs nutzbar machen will.

Obwohl der „Gründungsmonitor“ der staatseigenen Förderbank KfW der Republik derzeit so wenige Gründer wie noch nie attestiert – unter anderem aufgrund der guten Arbeitsmarktlage – konnte Sachsen im Vergleich zu den meisten Bundesländern leicht zulegen. Damit belegt der Freistaat nach Jahren auf den hinteren Rängen nun Platz sieben. „Viele unserer Gründer sind sehr stark von ihrer Idee überzeugt, so dass sie unabhängig von anderen Angeboten zielstrebig Unternehmer werden wollen“, meint Braun. Zudem sei insbesondere Südwestsachsen stark vom Mittelstand geprägt. Für viele, die in der Region bleiben wollen, sei der Sprung in die Selbstständigkeit die beste Karriereoption. (dpa)

Foto: Unis als Start-up-Schmieden – Auch die wissenschaftlichen Mitarbeiter und Stipendiaten Daniela Storch (l.), Ingo Berbig und Dirk Fischer in Chemnitz wollen sich mit ihrer Idee, widerstandsfähigen Textilspeichen für Fahrräder, selbstständig machen.

Quelle: dpa