SAXEED Blog

Gründer erstellen Pokale für die besten Geschäftsideen

Am 10. Februar 2022 fand die jährliche Preisverleihung des SAXEED-Ideenwettbewerbes statt – bereits zum 17. Mal und mit einigen Besonderheiten

Eröffnet wurde das Online-Event durch Prof. Dr. Uwe Götze, Prorektor für Transfer und Weiterbildung an der TU Chemnitz. Er stellte die Vielfalt der Einreichungen als positiven Aspekt des Wettbewerbes heraus. „Auch wenn genau diese bunte Mischung den Juroren und Laudatoren einiges abverlangt, so sind in der Vergangenheit viele gute Ideen vorgestellt worden, aus denen dann auch erfolgreiche Unternehmen hervorgegangen sind“, so Professor Götze. Durch den Abend führte Dr. Susanne Schübel, Projektgeschäftsführerin des Gründernetzwerkes SAXEED.

Aus den 28 eingereichten Ideen wählte die Fachjury am Ende zehn Ideen aus, die zum Pitch auf der Preisverleihung eingeladen wurden. Auch hier zeigte sich die Vielfalt der Ideen. Die Pitches waren zum ersten Mal keine Live-Pitches, stattdessen reichten die Finalisten Videos für die Preisverleihung ein, standen dann aber für Rückfragen live auf der Bühne. Etwa 130 Gäste verfolgten die Pitches online und fieberten mit, zeigten Emotionen und Applaus über einfliegende Emojis, stellten Fragen und bildeten ihre individuelle Rangfolge der Preisträger.  Gemeinsam kürten Publikum und Live-Jury die besten der eingereichten Ideen.

Inklusionsmaterial von TiNo der Dino punktet bei Jury und erhält Sonderpreis

Christiane Langer und Nora Grundmann, angehende Gründerinnen aus der Westsächsischen Hochschule Zwickau freuen sich über den Sieg in der Kategorie „Studierende“ und damit über ein Preisgeld von 1.000 Euro, bereitgestellt von der Volksbank Chemnitz eG. Mit ihrem Projekt TiNo der Dino leisten die beiden Gebärdendolmetscherinnen einen wichtigen Beitrag zur Inklusion. Durch ihre verschiedensten Erfahrungen mit Kindern ist aufgefallen, dass Wörter in der Gebärdensprache erkannt und selbst produziert werden können, aber sobald nur das geschriebene Wort auf einem Papier steht, kennen sie die Bedeutung des Wortes nicht. Das Gleiche gilt beim Verschriftlichen. Die Aussagen der Gebärden werden erkannt, aber den passenden Begriff können die Kinder in der Deutschen Schriftsprache nicht aufschreiben. Das geplante Inklusionsmaterial von TiNo der Dino zielt auf diesen Aspekt ab, den Schriftspracherwerb in Deutsch zu unterstützen und zu fördern.

Das Team freute sich am Ende nicht nur über die gute Platzierung, sondern wurde auch mit dem Sonderpreis „Social Entrepreneurship“ der Chemnitzer Gründungsgarage ausgezeichnet. Im April werden die beiden Gründerinnen dann am neuen Programm teilnehmen und sozialunternehmerische Ansätze erkunden. Gemeinsam mit dem Team der Gründungsgarage sollen so nachhaltige Perspektiven des Gründungsprojekts geschaffen werden.

Der 2. Platz in der Kategorie „Studierende“ und 500 Euro Preisgeld, gestiftet von der Technologie Centrum Chemnitz GmbH, erhielt Florian Semmler mit seinem Photogrammetrie Projekt. Im Rahmen seiner Bachelorarbeit an der Professur Psychologie digitaler Lernmedien der TU Chemnitz, brachte er sich bei, wie man mit dem Verfahren der Photogrammetrie fotorealistische Abbilder von Objekten aus der Realität anfertigt. Hierfür arbeitete er mit einem Museum zusammen, für das er diverse Ausstellungsstücke digitalisierte und diese dann im weiteren Verlauf in einer Virtual-Reality-Umgebung zugänglich machte. Somit können Besucher auf spielerische Art und Weise mit Ausstellungsstücken interagieren, welche teilweise sehr fragil sind und normalerweise nur unter speziellen Bedingungen ausgestellt werden können. Das brachte ihn auf die Idee, dieses Verfahren als Dienstleistung für Museen und Kunstschaffende anzubieten. Florian Semmlers Interesse für das Thema wurde bereits früher geweckt: „Im Rahmen einer Beratung bei SAXEED zu einer anderen Idee, machte mich Joseph Stevens bereits vor einigen Jahren auf die Themen Rapid Prototyping und 3D-Druck aufmerksam. Kurze Zeit später hatte ich mir dann einen eigenen 3D-Drucker bestellt und machte erste Erfahrungen mit Softwares zur Erstellung und Bearbeitung von 3D-Modellen. Insofern kann man wohl sagen, dass die Gründerberatung von SAXEED auch einen großen Anteil an der Entstehung meiner jetzigen Idee hatte.“ Marion Mattern, Gründerberaterin bei SAXEED, freut sich auf die weiterführende Arbeit mit Florian Semmler: „Wir haben uns beim Netzwerken am Beach in Spatial Chat sofort wiedererkannt und gefunden. Florian war früher schon einmal bei mir in der Beratung und ich bin gespannt und freue mich sehr darauf, das Feedback der Juroren mit ihm durchzusprechen und die nächsten Schritte gemeinsam mit ihm anzugehen!“

Über den 3. Platz freute sich das Team um Boran Bogdanow und Arved Kampe. Gestiftet wird der Preis in Höhe von 300 Euro von der Sächsischen Aufbaubank. Das Projekt „GroUP“ ist an der Professur Psychologie digitaler Lernmedien der Technischen Universität Chemnitz angesiedelt und wissenschaftlich betreut. Das Ziel der entwickelten Plattform ist es, den Usern „Starthilfe“ zu geben, um mit anderen Menschen leichter in Kontakt zu kommen. Die App bietet online die Möglichkeit, mit anderen Nutzern über gleiche Hobbys o.ä. ins Gespräch zu kommen. Das Angebot richtet sich in erster Linie an Studierende. Bei GroUP geht es nicht darum, den nächsten Liebespartner zu finden, sondern vielmehr darum, Menschen zu treffen, die ähnliche Hobbies und Interessen haben.

„Wir erhoffen uns neben dem Preis natürlich auch viel Zuspruch, viel Unterstützung und viele Kontakte“

Bei den WissenschaftlerInnen-Teams gab es eine ebenso große Vielfalt der Einreichungen. Am Ende konnte sich das Team 3D-Force durchsetzen. Das Team der HS Mittweida möchte mit Hilfe einer künstlichen Intelligenz die forensische Blutmusteranalyse revolutionieren und somit einen aktiven Beitrag zur Strafverfolgung in Deutschland und der ganzen Welt leisten. Die beiden Molekularbiologen/ Bioinformatiker M.Sc. Saskia Jeraufke und M.Sc. Tommy Bergmann entwickelten gemeinsam mit der Betriebswirtschaftlerin Maria Rein und dem Informatiker Martin Klöden eine Software, die eine Klassifizierung der aufgefundenen Bluttropfen und die Ermittlung des Spurenentstehungsortes durch die künstliche Intelligenz vollautomatisiert. Sichtlich überrascht bedankte sich Teamleiter Tommy Bergmann bei der Jury und allen Unterstützern. „Wir erhoffen uns neben dem Preis natürlich auch viel Zuspruch, viel Unterstützung und viele Kontakte“, so Bergmann nach der Preisübergabe. Das Team kann sich über ein Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro freuen, welches vom Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS) gestiftet und übergeben wurde.

Neu in diesem Jahr waren die Preise für den 2. und 3. Platz der Kategorie „Wissenschaftlerin“. Die Idee des Zweitplatzierten Teams „Canamo“ entstand aus der Motivation heraus, durch die Entwicklung eines innovativen, regionalen Holzwerkstoffs einen realen Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels zu leisten – Lösung für diese Herausforderung ist Hanfholz. Dieses trägt als alternatives Vollholzprodukt, aus rein landwirtschaftlichen Ressourcen, zum Erhalt und Aufbau ökologisch wertvoller Waldflächen bei. Das Canamo-Gründerteam ist fachlich breit aufgestellt und bringt berufliche Erfahrung aus Ingenieurwissenschaft, Gründerszene, Betriebswirtschaft, Bau-Branche und Marketing mit. Für die Produktion der ersten Hanfholzcharge konnte eine industrieller Fertigungspartner mit geeigneter Infrastruktur gewonnen werden. Derzeit befindet sich das Projekt in der Planung für die Herstellung der ersten Kleinserie. Auch dieser Preis in Höhe von 200 Euro wurde von der Sächsischen Aufbaubank gestiftet.

Den wachsenden Herausforderungen des deutschen Schulsystems stellt sich das Projekt: „Pädagogische Begleitung_PLUS“. Mit ihrem Ansatz konnten die beiden Wissenschaftlerinnen der TU Chemnitz noch einen guten 3. Platz einnehmen und erhalten ein Preisgeld in Höhe von 100 Euro, welches sie von Lars Fassmann von der chemmedia GmbH entgegennahmen. Josefin Barthold und Sandy Scheffler formulieren ein Coaching und Beratungsangebot, dass sich an SchülerInnen und Lehrkräfte richtet und auf zwei Säulen basiert, nämlich einer spezifischen Form von Lernbegleitung für Schüler und kollegialen Unterstützungsangeboten für Fachkräfte aus den pädagogischen Institutionen Kita, Hort und Schule.

Eine weitere Neuerung betraf die in diesem Jahr individuell angefertigten Pokale. Diese entstanden mit gebündelter Kompetenz und Hightech aus dem SAXEED-Gründeralumni-Netzwerk. In Kooperation mit der ligenium GmbH, der Novajet GmbH sowie dem SAXEED Technologie-Scout Joseph Stevens entstanden in der Rapid-Prototyping-Werkstatt so einzigartige Schmuckstücke. „Das sind sehr wertige Pokale als angemessene Wertschätzung für großartige Geschäftsideen geworden“, findet Christoph Alt, Gründer der ligenium GmbH. Und natürlich fanden sich er und das Team von Canamo aufgrund der gemeinsamen Leidenschaft für Holz im Netzwerkteil im Anschluss an die Preisverleihung sofort zusammen. Dabei ergaben sich viele Anknüpfungspunkte und Christoph Alt konnte als mittlerweile erfahrener und erfolgreicher Gründer viele Tipps an die nachfolgende Generation weitergeben.

Hintergrund

Das Gründernetzwerk SAXEED der südwestsächsischen Hochschulen macht es sich mit dem Wettbewerb „Schicke Ideen“ zur Aufgabe, innovative Geschäftsideen zu finden. Studierende, Alumni, Mitarbeitende sowie Professorinnen und Professoren der vier SAXEED-Hochschulstandorte Chemnitz, Freiberg, Mittweida und Zwickau sind zur Teilnahme aufgerufen. Ganz egal ob verrückt, gewagt oder völlig normal – in einem zwei- bis fünfseitigen Konzept sollte die Idee dargestellt werden. Nicht auf einen detaillierten Businessplan, sondern vielmehr auf eine kurze Beschreibung des zu erwartenden Kundennutzens, der Marktsituation, des geschätzten Marktpotenzials sowie der ersten Vorstellungen zur Umsetzung kam es dabei an. Eine 28-köpfige Jury bewertete die Ideen in der ersten Runde – jedes Projekt erhält dabei ein vielschichtiges Feedback aus den drei Perspektiven Wissenschaft (Professoren/wissenschaftliche Mitarbeiter), Wirtschaft/Banken (erfolgreiche Existenzgründer, Banken und Kapitalgeber) sowie Existenzgründungsförderung. Der Wettbewerb folgt der Philosophie des Gründernetzwerks SAXEED, Hochschulangehörige für eigene Geschäftsideen zu motivieren und sie für die Möglichkeit einer Existenzgründung zu sensibilisieren. SAXEED richtet die Veranstaltung in Kooperation mit dem gemeinnützigen Förderverein zur Unterstützung von Unternehmertum und Technologietransfer in Südwestsachsen e. V. aus.